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Nicht mit mir

Inhalt

Im Land Rheinland-Pfalz steht wieder einmal eine Reform an: Die Gebietsreform, auch Verwaltungsreform genannt. Dabei steht der Gedanke im Vordergrund, mehrere kleinere Verbandsgemeinden zu einer zusammenzuziehen, was Vor- und Nachteile mit sich bringt. Abgesehen von den Befürchtungen, dass kleineren Verbandsgemeinden sich wie das 5. Rad am Wagen vorkommen, befürchten sie, dass das, was sie sich in jahrelanger Arbeit erwirtschaftet haben, ihrer Eigenverwaltung entschwindet.

  In dieser Angelegenheit gibt es ablehnende Aussagen, aber auch einige befürwortende. In der vorliegenden erfundenen Krimi-Handlung beabsichtigt ein Psychopath diese Reform für einen bestimmten Verwaltungsbereich zu verhindern und erpresst die Verbandsgemeinde Forstenau, die ihrerseits gar nicht die Möglichkeiten besitzt, auf seine Forderungen einzugehen. Zum Glück hat Bürgermeister Walter Anders gerade zu dieser Zeit Besuch von zwei hohen Dienstgraden des Ministeriums. Doch auch ihnen sind die Hände gebunden.

Die Angelegenheit wird dramatisch, als ein erster abgetrennter Finger eines Kommunalpolitikers im Bürgermeisteramt vorgefunden wird. Overbeck und Leni Schiffmann von der Trierer Kripo treten auf den Plan, können aber nicht verhindern, dass schon am nächsten Tag ein weiterer Finger im Amt auftaucht. Als dann noch ein Kommunalpolitiker aus Forstenau ermordet aufgefunden wird, spitzt sich die Angelegenheit zu. En regionaler Kriminalroman, gewürzt mit einem kräftigen Schuss Satire und Humor behandelt ein Thema, das allen Betroffenen in Rheinland-Pfalz auf der Seele liegt. Originale Informationen zu Beginn der einzelnen Kapitel informieren über die tatsächliche Themenlage. Der Inhalt des Romans ist natürlich frei erfunden.

Leseprobe

„Mahlzeit!“

  Mit mürrischer Miene betrat Hauptkommissar Overbeck sein Büro in der fünften Etage des Trierer Polizeipräsidiums und ließ die Tür hinter sich geräuschvoll ins Schloss fallen. Seine kräftige jugendliche Erscheinung mit dem normalerweise frohen Gesichtsausdruck kam heute eher schleppend daher. Wäre da nicht sein nach hinten gekämmtes und zum Zopf gebundenes blondes Haar, das ein Runzeln der Stirnhaut kaum möglich machte, wäre seine betrübte Miene vollkommen gewesen. Heute hatte er am Morgen freigemacht und Überstunden abgefeiert. Dann war er noch einer dienstlichen Angelegenheit in der Stadt nachgegangen und wollte nun die letzten Stunden des Tages ruhig hinter sich bringen.

  „Au weia. Da geht es einem aber gar nicht gut.“   Die Stimme kam aus Richtung der beiden Schreibtische, die sich in dem Büro schräg gegenüberstanden und gehörte Leni Schiffmann, deren Anblick offensichtlich auch nichts an der Laune Overbecks ändern konnte. Leni trug heute ihr brünettes, leicht welliges Haar offen, so dass die Spitzen ihre Schultern berühren. Sie hatte ein leichtes Rouge aufgelegt, gerade so viel, wie der kriminalpolizeiliche Dienstherr es zuließ, was ihr schönes Gesicht mit den leicht hervorstehenden Backenknochen und den vollen Lippen richtig zur Geltung kommen ließ. Eine locker getragene helle Bluse rundete die obere Erscheinung Lenis -mehr konnte Overbeck momentan hinter dem Schreibtisch nicht ausmachen- ab.

  „Probleme?“, versuchte sie es noch einmal, doch Overbeck hatte sich bereit seiner ledernen Trainingspuppe zugewandt, die er am Ende des doch sehr großen Büros aufgestellt hatte, zugewandt. Dann hagelte es plötzlich Faustschläge, Tritte und Ellbogenstöße auf das schmerzunempfindliche künstliche Pendent eines Menschen und das Klatschen der Treffer hallte durch den Raum.

  Leni hatte sich inzwischen an dieses Ritual gewöhnt. Ja, es war allmählich zu einem Ritual geworden, was Overbeck dort anstellte. Immer, wenn es ein Problem gab oder wenn seine Laune auf dem Nullpunkt gefallen war, musste der arme Kerl in der Ecke dran glauben. Er stand dort, seit Overbeck das erste Mal die Dienststelle betreten und Leni erfahren hatte, dass ihr Kollege ein Kampfsportler war. Karate, Aikido und andere Kampfsportarten beherrschte er und er hatte sogar ein eigenes Studio in Trier, wo er sein Können weitervermittelte. Sogar Leni hatte anfangs geglaubt, dass dieser Sport der richtige für sie sei, doch dann hatte sie es aufgegeben. Nicht allein aus dem Grund, dass sie keine Lust mehr dazu gehabt hätte, vielmehr waren es die ständigen Einsätze, die sie entweder vom Training fernhielten oder sie aus dem Dojo abriefen.

  Overbeck hörte auf, auf die Puppe einzuschlagen und schlich zu seinem Schreibtisch. Meist ging es ihm nach einer solchen Aktion besser, doch heute war das anders.

  „Der Jogi hat uns die EM gekostet“, fuhr es plötzlich aus ihm heraus und er packte seine dunkelblaue Jeans am Gürtel und brachte sie mit einem Ruck wieder in die Lage, die sie vor seinem sportlichen Ausbruch hatte. „Es war die falsche Aufstellung. Ganz Deutschland hat es so gesehen, schon beim Einlaufen der Mannschaft, nur der Jogi nicht. Und die Nationalhymne! So, wie sie gesungen haben, genauso haben sie gespielt. So ein verfluchter Mist.“

  Leni grinste. „Ach, daher weht der Wind. Der Herr kann nicht verkraften, dass Spanien Europameister geworden ist. Mensch, Overbeck, das ist doch nur ein Fußballspiel. Und es ist doch schon einige Zeit vergangen. Man muss auch vergessen können“, frotzelte Leni. „In zwei Jahren wird es besser, bei der WM. Neues Spiel – neues Glück.“ 

„Nur ein Fußballspiel, sagst du. Eine EM ist nicht nur ein Fußballspiel. Die Fahnen an den Häusern, den Autos … Leni, das ist mehr … das ist …“

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